Was steckt dahinter?
SPORTLICHE AKTIVITÄTEN IN DER FREIEN NATUR - MIT RÜCKSICHT NATURERLEBNISSE GENIESSEN
Der Tourenschilauf und das Schneeschuhwandern boomt seit Jahren und wird immer mehr eine Alternative zum Pistenschilauf. Alpinwissenschaftlern schätzen, dass sich ca. 250.000 bis 300.000 Tourengeher allein in Tirol jährlich in ehemals einsame Naturräume und Berggipfel begeben. Gerade aber diese Art die Natur zu genießen, fordert von dem einzelnen Naturnutzer ein hohes Verantwortungsbewusstsein. Rücksichtsvoller Umgang mit der Natur, in Bezug auf die Winterlebensräume des Wildes, ist besonders in der winterlichen Notzeit von großer Wichtigkeit. Aufklärung und Ausbildung können helfen, Problem zu vermeiden.
Es ist wohl auszuschließen, dass Schitourengeher, Schneeschuhwanderer und sonstige Freizeitsportler vorsätzlich Wildtiere stören. Störungen treten zumeist aus Unwissenheit und Unkenntnis auf. Eine entsprechende Aufklärung über unsere heimischen Wildtiere trägt sicherlich zu mehr Verständnis, Einsicht und Sensibilisierung bei den oben genannten Naturnutzern bei, als Sperrgebiete und Verbotsschilder. Es sind lediglich in Kirchberg- Aschau, Westendorf-Windau und in der Kelchsau Kurzer- und Langer Grund im Bereich der Rotwildfütterungen Wildruhezonen (jagdliche Sperrgebiete) ausgewiesen.
Durch Informationstafeln werden die Freizeitsportler und Wanderer über die Wildruhezonen (jagdliche Sperrgebiete) informiert. Zusätzlich werden amtlich vorgeschriebene Hinweistafeln bei den Aufstiegs- und Abfahrtsrouten aufgestellt.
Wildtiere reagieren auf Grund der extremen Lebensbedingungen in den Wintermonaten besonders sensibel auf Störungen. Sie benötigen in ihren Lebensräumen viel Ruhe um den Winter unbeschadet zu überstehen.
Der Energieverbrauch des Wildes kann bei starker Beunruhigung um mehr als das Zehnfache steigen (vgl. Prof. Onderscheka, 1985). Erhöhter Energiebedarf verringert die körpereigenen Energiespeicher (Fettdepots), wodurch die Tiere im Winter zu vermehrter Nahrungsaufnahme an Baumpflanzen gezwungen sind und dadurch vermehrt Wildschäden im Wald verursachen.
Von Störeinflüssen durch den Wintertourismus besonders betroffen sind jene Tiere die in den Kammlagen oberhalb der Waldgrenze ihren angestammten Lebensraum haben (Gamswild, Steinwild, Birkwild, Schneehuhn).
Aber auch das Rotwild und Rehwild, welche im Wald in der Nähe der Fütterungen ihren Wintereinstand haben, reagieren sehr empfindlich auf Störungen.
Schitorengeher, Variantenschifahrer und Snowboarder können aber nicht nur Wildtiere in ihrem Lebensraum stören, sondern auch mit ihren scharfen Schikannten Schäden an Jungwäldern und Aufforstungsflächen verursachen. Sind die dadurch verursachten Schäden an den Pflanzen zu massiv, kann dadurch auch die Schutzfunktion des Waldes verloren gehen.
Schneeschuhwandern wird immer beliebter und auch hier ist bei der Routenwahl wichtig, dass man auf das Wild und dessen Ruhebedürfnis in der Notzeit Rücksicht nimmt, dadurch können Störeinflüsse auf die Wildtiere und Schäden am Wald vermieden werden.
Der Drang des Menschen in der Freizeit Ruhe und Erholung in die Natur zu suchen, wird von Jahr zu Jahr stärker. Doch bei vielen Sportarten, die in der freien Natur ausgeübt werden, kann es bei einer Massierung zu ökologischen Problemen kommen. Um dies zu minimieren ist ein Miteinander statt ein Gegeneinander wichtig.
Die Entscheidungsträger und Verantwortlichen im Tourismus, in der Land und Forstwirtschaft, in der Jagd und bei den einzelnen Interessensvertretungen müssen durch eine gezielte Aufklärungsarbeit, durch Ausbildungskurse, durch Besucherlenkungsmaßnahmen usw. geeignete Instrumentarien schaffen, um ein breites Verständnis und verantwortungsbewusstes Verhalten bei allen Naturnutzern zu erreichen.
Unsere großteils noch intakte Natur darf nicht nur als große Freizeitarena betrachtet werden. Wir haben eine große Verantwortung gegenüber unserer Natur und Umwelt.